Wunder gibt es auch beim Schach

(sk) Schneverdingen. Dass der SC 81 – quasi in letzter Saisonminute – noch den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga geschafft hat, gleicht schon einem kleinen Wunder. Die Schachgöttin hat die Stoßgebete erhört, die die Heideblütenstädter in Richtung der ewigen 64-Felder-Jagdgründe geschickt hat. Weil in der Verbandsliga Nord Post Uelzen II den achten Tabellenplatz behauptet hat, gibt es nur einen Absteiger aus der BOL. Und der heißt BW Buchholz, der zwei Brettzähler weniger auf dem Konto hat als der SC 81. Für Schneverdingen bedeutet dies ein „Happy End“ einer völlig verkorksten Saison. Ein Rückblick.
Beim Aufsteiger vom SK Springer Rotenburg waren zwei Mannschaftszähler fest eingeplant. Doch die Spieler um Spitzenmann Stefan Peters (Stefan Krautwasser mit DWZ 1544 spielte aus taktischen Gründen am ersten Brett) belehrten die Gäste eines Besseren. Einzig Andreas Winkelmann wusste zu überzeugen. Schnelle Punkteteilungen von Hans-Peter Maushake, Thomas Müller und Heiner Wichern waren letztlich ausschlaggebend für die knappe 3,5:4,5-Niederlage. Die größte Enttäuschung war aber Steffen Kottke an Brett vier. An selber Stelle, wo er noch vier Wochen zuvor die Rotenburger-Schnellschach-Meisterschaft gewonnen hatte, leistete er sich einen groben Schnitzer, so dass das Debüt im Schachbezirk 4 für den Altmärker tüchtig daneben ging.
In Runde 2 war der MTV Dannenberg zu Gast. Das Spiellokal wurde ins Hotel Schnuck verlegt, weil die FZB (Freizeitbegegnungsstätte) belegt war. Auch in dieser Runde gab es ein Sachsen-Anhalt-Debüt: Dr. Holger Naumann – Vater von Großmeister Alexander Naumann – gab seinen Einstand. Doch ebenso wie sein Landsmann Kottke in der ersten Runde, musste auch er trotz hartnäckigen Widerstands die Waffen strecken. Auch der Ex-Tangerhütter und Vereinschef Manfred Ziemann an Brett acht unterlagen. Die Sieger von Heiner Wichern und Thomas Müller konnten die Verluste nicht kompensieren und so gab es die zweite Niederlage für die Schneverdinger.
In Runde drei platzte der Knoten endlich. Beim ebenfalls punktlosen Blau-Weiss Buchholz gab es ein 4,5:3,5. Schneverdingen schöpfte neuen Mut. Der aber verflog wieder schnell. Gegen den SC Sottrrum – ebenfalls eine Mannschaft, die im unteren Tabellendrittel erwartet wurde – gab es an eigenen Brettern nur ein mageres 4:4. Der SC 81 führte zwar 4:2, doch Steffen Kottke verlor seine ohnehin schon auf Verlust stehende Partie und Mannschaftsleiter Hans-Peter Maushake vergeigte eine gewonnene Stellung – oder zumindest eine remisverdächtige – noch zur „Null“. 3:5 Punkte – so schlecht stand es zwar nicht zur Jahreswende – doch angesichts der noch zu erwartenden Gegnerschaft waren die Schneverdinger alles andere als zufrieden.
In Runde fünf hatte es der SC 81 mit der SG Allertal zu tun. Heiner Wichern war der einzige, der auf Schneverdinger Seite punktete, die Duelle an den Brettern sieben und acht entschieden die Gastgeber für sich. Daneben gab es nicht weniger als fünf Punkteteilungen (wobei ich mir ein Angstremis gegen Jörg Winter, DWZ 1624, leistete). Der nächste Gegner hieß Verden und war ein heißer Aufstiegsaspirant. Nur mit sechs Mann antretend unterlag der SC 81 1,5:6,5. Lediglich Kottke und Ziemann sorgten für Zählbares auf der Seiten der Heideblütenstädter.
Gegen den SK Hermannsburg – dem späteren Ligakrösus und Aufsteiger – hatten sich die Schneverdinger ein wenig ausgerechnet. Wenn es gut lief, so die Optimisten in der Mannschaft, könnte die Truppe ein 4:4 schaffen. Dicht dran waren sie, die Gastgeber. Doch am Ende unterlag man gegen sieben Hermannsburger 3,5:4,5. Das Unterhaus erwischte es mit 0,5 Punkten (aus vier) besonders böse. Und als der SC 81 dann am achten Spieltag auch noch in Breloh (Stadtteil von Munster) 3:5 verlor, titelte die Böhme-Zeitung: „BSC stößt Schneverdingen in Richtung Bezirksliga“. Tabellenletzter nach acht Runden und am letzten Spieltag den Tabellenprimus Stader SV II zu Gast – die Vorzeichen waren klar: Schneverdingen runter, Stade rauf.
Aber bekanntlich kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Ausgerechnet Manfred Ziemann am achten Brett brachte den SC 81 überraschend in Führung. Der „Chefe“, ein rühriger Organisator, Trainer und Vereinsvorsitzender, später: „Ich habe mir die ganze Zeit gesagt: Was bringe ich denn den Kindern bei – und danach gehandelt“, so Ziemann, der sich zwar oft eine recht günstige Stellung erarbeitet hatte – aber dann nicht mehr weiter wusste. Thomas Müller und Steffen Kottke, der nach vier Partien ohne Niederlage wieder einmal seinem Gegner die Hand reichen musste, unterlagen danach, doch Heiner Wichern glich erneut aus – 2:2. Heiko Böhling, der leichte Vorteile im Turmendspiel nicht verwerten konnte, und Andreas Winkelmann, bei dem fast gar nichts mehr ging, trennten sich von ihren Kontrahenten friedlich. Hans-Peter Maushake machte seine unglückliche Endspielführung gegen Sottrum wieder gut – und überspielte seine junge Gegnerin im Läuferendspiel. Danach konnte Wolfgang Bültemann seine verlorene Position getrost aufgeben – der Mannschaftspunkt war in Sack und Tüten.
Als Steffen Kottke den Hermannsburger – und auch in der Altmark bekannten – Slavko Krneta anrief, um ihm das Ergebnis mitzuteilen – die beiden hatten sich im Vorfeld darauf verständigt – explodierte fast das Handy, so unbeschreiblich war der Jubel der Hermannsburger, die nun Stade noch abgefangen hatten und sich selbst an die Spitze setzten. Der Grund: Dreimal in Folge ist der SK Hermannsburg Zweiter geworden, scheiterte jedesmal knapp am Aufstieg. Die „Unaufsteigbaren“ hatten sich den Triumph verdient.
Nachfolgend eine Kurzeinschätzung der eingesetzten Schneverdinger Spieler:

Jan-Christoph Seitz: Kam nur einmal zum Einsatz, weil der Gegner nur mit sieben Mann anreiste. Hat sich seinen „Holzpunkt“ verdient.
Andreas Winkelmann (DZW-Schnitt 1858; 5/8): Souveränes Schach, punkte, wo es nötig ist, ein Sicherheitsgarant in der ganzen Saison.
Nadine Naumann (1922; 1/4): Braucht wieder mehr Spielpraxis. Erwartet in Kürze ihr zweites Kind und war auch deshalb vielleicht nicht ganz so stark wie erwartet.
Heiner Wichern (1843; 7/8): Der Punktegarant schlechthin. Gab nur zwei halbe Zähler ab. Wo wären wir nur ohne unseren Heiner gelandet?
Steffen Kottke (1845; 3,5/9): Mit 1 aus 4 gestartet, danach vier Mal in Folge ohne Niederlage, zum Schluss unterirdisch.
Thomas Müller (1729; 4/9): Starker Theoretiker, der mitunter seinem Gegner zu viel Respekt zollt und daher so manchen halben Punkt verschenkt.
Dr. Holger Naumann (1730; 0/1): Seit Jahren eine erste Wettkampfpartie. Spielte gut, aber die mangelnde Praxis machte sich dann doch bemerkbar.
Heiko Böhling (1667; 2/6): Vier Remis, zwei Niederlagen. Besonders im Endspiel Reserven.
Hans-Peter Maushake (1713; 3,5/8): Sehr gut aus den Startlöchern gekommen, kassierte dann aber drei Niederlagen am Stück. Wichtige Aktie am „Stade-Clou“.
Wolfgang Bültemann (1629; 2/6): Gegen wertzahlmäßig höhere Gegner größtenteils chancenlos. Dominierte gegen Sottrum.
Manfred Ziemann (1634; 2/6): Als es drauf ankam, holte er die Zauberkiste raus. „Stade-Held“.
Klaus Holsten (1489; 0/1): Ließ sich von der Leistung seiner Mannschaftskamerden in Rotenburg anstecken.
Jürgen Hein (1680; 0/2): War nicht so konzentriert bei der Sache, wie man es vom 75-jährigen Routinier kennt.

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One Response to Wunder gibt es auch beim Schach

  1. Thomas Buhr says:

    Ahoi,
    gute Zusammenfassung. Besonders die EInzelkritik nach der Saison fand ich interessant.
    Hat mein Daumendrücken doch genutzt! Hoffentlich spielt Heiko nicht irgendwann wie sein Vater:Lieber Remis als irgend etwas anderes.
    Alles Gute für die neue Spielzeit!
    Es grüßt
    Thomas Buhr

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